Was ist zu tun, wenn der Aufenthaltstitel erstmal ausgestellt ist?

Um ehrlich zu sein: eine ganze Menge 🙂 . Der oder diejenigen werden in dem Fall grundsätzlich erstmal wie ein ganz normaler Mitbürger auf Arbeitssuche behandelt, mit allen Pflichten und Rechten die damit einher gehen. Dazu gehört, dass man sich beim Arbeitsamt bzw. Jobcenter anmelden muss, um Arbeitslosengeld II (ALGII) zu beantragen, da das Sozialamt ja seine Leistungen einstellt. Desweiteren ist es zwingend erforderlich, sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse anzumelden. Damit es nicht langweilig wird, kommen dann Wohnungssuche (die Leute werden natürlich nicht aus dem Heim rausgeworfen, aber wenn sie eine eigene Wohnung finden, könnten andere Flüchtlinge den Platz in der Unterkunft bekommen), einrichten eines Kontos, die Befreiung von den Rundfunkgebühren und Internetzugang dazu, aber jetzt erstmal eins nach dem anderen:

Schild Arbeitsagentur für Arbeit

Anmeldung beim Jobcenter und der Integrationskurs

Beim Jobcenter muss man mehrere „Stationen“ durchlaufen. Als erstes muss man sich mit seinem Schützling einfach beim Jobcenter melden und einen ersten Termin vereinbaren. Dafür sollten der Anmeldebogen und das Formular zur Antragsbegründung bereits ausgefüllt sein. Wichtig ist in diesen insbesondere der Lebenslauf, da müssen die verschiedenen Stationen immer mit einem konkreten Datum versehen sein, nur Monat und Jahr anzugeben reicht nicht. Mitzubringen ist natürlich auch der Aufenthaltstitel. Am Ende dieses ersten Termins, für den man etwa 1,5h einplanen sollte, hat man dann hoffentlich die Anmeldung bei einer Firma namens USS inklusive eines Termins möglichst am Folgetag in der Hand. Das ist sozusagen die erste Maßnahme, bei der es allerdings nur darum geht, die eigentlichen Anmeldeunterlagen fürs Arbeitsamt komplett auszufüllen. Dieser Kurs beim USS dauert 5 Arbeitstage während derer ein Mitarbeiter dabei unterstützt alle notwendigen Unterlagen auszufüllen. Bezahlt werden dafür sogar Hin- und Rückfahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das USS schickt die fertigen Dokumente dann ans Jobcenter mit dem man einen Folgetermin vereinbaren muss. Bei den meistens eher wohl geringen Deutschkenntnissen ist die erste Maßnahme die dann mit dem Jobcenter vereinbart werden sollte bzw. muss der Integrationskurs (die Aufforderung dazu lag wahrscheinlich schon den Dokumenten für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis bei). Der Integrationskurs wird in Sinsheim von der VHS sowie neuerdings auch von Unterrichts-Studio Sinsheim (USS) angeboten. Die Aufforderung allein reicht leider noch nicht für die Kostenübernahme, die muss separat beantragt werden (VHS hiflt dabei).

Anmeldung bei einer gesetzlichen Krankenkasse

Hier hat jeder die freie Wahl unter den gesetzlichen Krankenkassen. Die AOK ist meist in direkter Nähe des Jobcenters zu finden und somit eine erste Anlaufstelle. Stiftung Warentest hat im letzten Jahr die gesetzlichen Kassen getestet, eine Zusammenfassung dazu gibts bei finanzen.de. Dabei hat wohl unter anderem die Techniker Krankenkasse gut abgeschnitten. Beispielhaft hab ich hier mal die Antragsdokumente der TK verlinkt:

Anmeldeformular

Anmeldeformular für Familienversicherung (dafür muss trotzdem zuerst für ein Familienmitglied das normale Anmeldeformular ausgefüllt werden, normalerweise wäre das für den Ehemann. Achtung: wenn Ehepartner unterschiedlichen Nachnamen haben muss hier auch die Heiratsurkunde mitgeschickt werden, wenn irgendwie möglich schon inkl. Übersetzung!!).

In jedem Fall sollten auch schon die Passbilder mitgeschickt werden, damit die Versicherungs-Karten gleich erstellt werden können.

 

Wohnungssuche

Das Jobcenter bezahlt in gewissem Umfang Miete und Nebenkosten für Arbeitssuchende. Grundsätzlich gilt, dass jede Person Anspruch auf eine bestimmte Wohnungsgröße hat. Für den ersten Erwachsenen werden dabei 45m2 angesetzt, für jedes weitere Familienmitglied weden dann 15m2 hinzugerechnet, dass heißt eine Familie mit 2 Erwachsenen und einem Kind hat Anrecht auf eine Wohnung mit 75m2 Grundfläche. Da das Jobcenter verständlicherweise keine Luxuswohnungen bezahlt, gibt es sogenannte Mietpreistabellen, in welchen akzeptable Mietpreise je Quadratmeter angegeben sind. Hier Beispiele für Karlsruhe und Heidelberg:

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Berechnungsbeispiel Heidelberg für einen drei Personenhaushalt in der Altstadt: 412,50€ * 31% = 540,38€ Grundmiete ist angemessen.

Weitere Tabellen kann man bei jedem Jobcenter bekommen, eine kurze Mail genügt in der Regel.

Grundsätzlicher Ablauf bei der Wohnungssuche ist, dass man sich den Mietvertrag der gewünschten Wohnung aushändigen lässt und damit zu seinem Jobcenter geht – ganz egal wo diese Wohnung ist. Das heißt z.B. wenn eine der Familien nach Mannheim umziehen möchte, muss trotzdem das Jobcenter Sinsheim dem Mietvertrag zustimmen (intern fragen sie natürlich beim Jobcenter Mannheim nach, um sich die akzeptablen Mieten nenen zu lassen). Wenn das Jobcenter die Zustimmung gegeben hat, kann der Mietvertrag unterschrieben werden.

Sonstiges

Befreiung von Rundfunk- und Fernsehgebühren

Grundsätzlich muss natürlich eigentlich jeder GEZ-Gebühren bezahlen (inzwischen ist es egal, ob man einen Fernseher hat oder nicht). Das trifft auch auf unsere Flüchtlingsfamilien in der Unterkunft zu, sobald sie den Aufenthaltstitel haben. Als ALGII-Empfänger kann man sich allerdings von diesen Gebühren befreien lassen. Den Antrag zur Befreiung gibts hier. Zusatzlich braucht man eine Bestätigung vom Jobcenter als Begründung.